MP3s umsonst und legal: Ripping-Software macht´s möglich
Zu Zeiten, als den Äther noch der Sound richtiger Musikgruppen bestimmte statt gecasteter Wannabees, hockten Millionen von Teenagern daheim vor ihrem Kassettenrecorder und waren bereit, zuzuschlagen. Es galt, den Finger genau dann herunterzudrücken, wenn Thomas Gottschalk oder einer seiner Kollegen den richtigen Musiktitel fertig angesagt hatte und eine kurze Pause die Ansage von der Musik trennte. War dann die eigene Reaktionszeit kurz genug, kam Freude auf. Wieder einen Schatz auf Kassette gebannt.
(Erschienen in der Zeitschrft AVDC 05/2007)
Zwar ist die Technik moderner Musiktauschbörsen vollkommen anders, die Motivation jedoch identisch: Möglichst einfach an gute Musik zu kommen. Nur ist diese Variante illegal und die Strafverfolgung kein theoretisches Risiko mehr, sondern inzwischen gängige Praxis.
Der gute alte Mitschnitt des Radioprogramms dagegen war rechtlich in Ordnung. Denn hier fehlte das Anbieten von Songs, was bei den Peer2Peer-Tauschbörsen Teil des Konzepts ist: Jeder der saugt, bietet gleichzeitig auch Musik zum Download an. Und genau dieser Teilaspekt wird vom gängigen Recht als illegale Verbreitung betrachtet. Die Aufzeichnung für den rein privaten Gebrauch ist dagegen legitim. Denn dafür hat der der Kunde bereits gezahlt: GEZ-Gebühren oder Abgaben auf Rohlinge und Brenner sorgen dafür, dass Künstler, Musikverlage und öffentlich-rechtliche Sendeanstalten nicht umsonst arbeiten müssen.
Der legale Mitschnitt existiert aber auch noch heute - nur in zeitgemäßer Form. Dabei agiert der Computer als intelligenter Ersatz für den Kassettenrecorder, die manuelle Auslösung der Aufnahme ist überholt. Recht nahe am alten Konzept liegt dabei die Variante, die den Mitschnitt eines "echten" Radioprogramms automatisiert. Dazu liefert ein Ausgang des Radios dem Line-Eingang der PC-Soundkarte das aktuell gewählte Radioprogramm als Signal. Bei digitaler Soundquelle klappt es ebenso, nur muss der Computer dann über einen SPDIF-Eingang verfügen.
Air2MP3 liefert Titel- und Schnittinformationen für klassiche Radiosender
Ohne weitere Informationen könnte eine Software auf dem Computer damit aber noch wenig anfangen. Bestenfalls wäre die Trennung der einzelnen Musik- und Wortbeiträge aufgrund von Pausen möglich. So ist auch der eigentliche Clou an den Mitschnitt-Systemen die parallele Lieferung von Titel- und Zeitinformationen über das Internet. Damit das funktioniert muss die Software wissen, welcher Radiosender gerade eingestellt ist. Das geschieht entweder manuell durch den Anwender oder die Software dient gleich zur Auswahl der Radiostation, falls der Computer eine passende Radio- oder TV-Karte eingebaut hat.
Für die Informationen über das aktuell gespielte Programm einer Radiostation existieren zwei Grundkonzepte: Entweder kommen Sie von einer Redaktion, die als zentrale Quelle diese Daten liefert oder die Anwender selbst stellen Sie der Allgemeinheit zur Verfügung. Wenn also ein Anwender zwischen zwei Musiktiteln eine Schnittmarke definiert und den Songtitel festlegt, speist die Software diese Information ins Internet ein, um sie anderen Benutzern verfügbar zu machen. Hierbei sorgen Konzepte wie ein Abgleichungsmechanismus bei abweichenden Nennungen zum selben Titel oder die Möglichkeit der Ausblendung von unzuverlässigen Titellieferanten dafür, dass vom zentralen Server qualitativ hochwertige Schnittmarken und Titelinformationen kommen.
Ähnlich wie bei dem Timeshift-Konzept von Harddisk-Rekordern koppeln die Programme die Aufnahme von der Wiedergabe ab. Das Recording läuft also ständig, was zwar eine größere Menge freier Festplattenkapazität erfordert, dafür aber eine beliebige Navigation in der gespeicherten Musik zulässt. Sie ermöglichen also beispielsweise, sich durch "Reinhören" einen schnellen Überblick über die in der letzten Stunde gelaufenen Titel zu machen.
Erst das Timeshift-Konzept macht auch die Verbreitung von Titelinfos möglich. Denn ansonsten müsste beim Anfang eines Songs in Echtzeit dessen Titel zur Verfügung stehen und quer übers Internet das Signal kommen "Achtung, jetzt Aufnahme von Titel…".
Durch den eingebauten Zeitversatz erfolgt die erste Titelinformation durch Anwender vielleicht erst fünf Minuten, nachdem die letzte Note des Musikstückes verklungen ist. Per Internet stellt die Software diesen Titel allen anderen Hörern des aktuellen Radiosenders zur Verfügung und die eigene Aufzeichnung wird nur nach und nach mit Schnittmarken zwischen den Stücken und Titelinfos ergänzt.
Das Programm ClipInc von Tobit kennt sogar noch einen besonderen Automatikmodus. Dabei bietet das Programm eine Auswahl von Musikstilen ab und extrahiert danach alle passenden Stücke aus dem aktuellen Programm und legt sie als komprimierte, korrekt benannte Audiodateien ab. So ist es ganz leicht, beispielsweise alle Hardrock-Songs aus dem laufen Programm herausfiltern zu lassen. Die Titelrotation, macht dem Programm dabei kein Problem. Kommt ein bereits abgelegter Song nochmals, wird er einfach übersprungen.
Übrigens ist der Nutzen nicht alleine auf Musik vom Radio beschränkt. Die meisten Programme haben auch Musiksender wie MTV oder Viva in Ihrem Repertoire. Hier sorgt entweder der Soundteil einer TV-Karte oder ein angeschlossener Receiver für Kabelfernsehen, DVB-S oder DVB-T für den Signaleingang.
Aufzeichnung von Audiostreams
Ganz ohne herkömmliches Radio kommen Lösungen aus, die die Musik direkt aus dem Internet beziehen. Dabei handelt es sich um Radiostationen, die ausschließlich oder parallel zum klassischen Radio ihr Programm im Internet als Datenstrom senden. Oft werden sie von Enthusiasten betrieben, die es sich zum Hobby gemacht haben, ihre Musik anderen Menschen näher zu bringen. So ist denn auch der größte Vorteil der Internetradio-Stationen Ihre Vielfalt. Es existiert für wirklich jedes Musikgenre eine Reihe von Sendern. 24 Stunden Banjo-Jazz am Tag gewünscht? Kein Problem, sogar dafür gibt es Internetradio-Sender.
Diese Internetradio-Stationen arbeiten mit der Streaming-Technik. Sie übertragen als einen Song nicht vorab in einem Stück zum Hörer-Computer, ähnlich wie bei einem Datei-Download, sondern senden einen stetigen Datenstrom. Diese digitalisierte Musik kann auf zwei Arten in eine Datei umgewandelt werden. Beim so genannten Grabben oder Rippen fängt ein spezielles Programm den Datenstrom ab und sichert ihn in unveränderter Form auf Festplatte ab. Das klappt nur mit MP3 und anderen Formaten, bei denen kein integrierter Schutzmechanismus wirkt. Durch die 1:1-Aufnahme bietet diese Methode gute Qualität, sofern die Radiostation Ihr Programm in eine genügend hohe Datenrate aussendet. 128 kBit/s ist beispielsweise bei MP3 die unterste Stufe annehmbarer Musikqualität. Auf der heimischen HiFi-Anlage klingt Musik erst ab 192 kBit/s richtig gut. Bei reinen Sprachaufnahmen dagegen darf es noch einen Tick weniger sein, denn hier geht es mehr um die Erkennbarkeit denn um erstklassigen Sound. Weniger als 96 kBit/s tun aber auch hier den Ohren weh.
Der Sationripper kann mehrere Audiostreams gleichzeitig auf Festplatte bannen.
Der eingebaute Schutz der Datenformate wie WMA oder Real Audio würde ein Aufzeichnungsprogramm, das diese Streams entschlüsselt, illegal machen. Denn schließlich ist das Umgehen von Kopierschutzmechanismen alleine schon strafbar geworden.
Schlaue Programme verwenden darum den Original-Player dieser Datenformate, also Microsofts Media Player oder den Real Player zum Empfangen von Internetradio-Stationen, die mit diesen Stream-Typen arbeiten. Dreh- und Angelpunkt der Aufnahme ist bei diesen Tools dann die Soundkarte. Sie greifen hier entweder listenreich die digitalen Daten ab, bevor die Soundkarte sie zu hörbaren Schwingungen macht oder nehmen das analoge Ausgabesignal sofort wieder über einen aktivierten Soundeingang auf. Letztere Variante bedingt allerdings einen Qualitätsverlust durch die zweimalige Wandelung zwischen Analog- und Digitalsignal.
Je nach den Fähigkeiten der Internetradio-Station und des eingesetzten Übertragungsstandards kann die Aufnahmesoftware auch gleich die aufgenommenen Songs richtig benennen. Denn oft übertragen die Stationen neben der reinen Musik auch eine Art ständig erweiterte Playlist, die dem Hörer Informationen wie den Interpret oder den Albumtitel zum gerade gespielten Song liefert.
Das größte Problem der Internet-Radiostationen ist der Weg zum passenden digitalen Sender. Denn bei einigen tausend Sendern hat man wirklich die Qual der Wahl. Die meisten Programme lassen dieses Thema außen vor und beschränken sich auf die Lösung der technischen Probleme. Der Radiofreund muss dazu selbst tätig werden und Verzeichnisse wie www.shoutcast.com oder www.launchcast.com verwenden. Dort kann er die vorhandenen Stationen nach persönlichen Vorlieben wie Genre oder Herkunft durchsuchen.
Der Phonostar Player hat für dieses Problem eine bessere Lösung. Bei dieser deutschen Software stellt eine Redaktion ausgewählte interessante Online-Radiostationen vor oder gibt sogar Programmtipps ab. Zusammen mit der Timer-Funktion kann der Benutzer per Klick auf einen Knopf den Phonostar Player zur zeitgerechten Aufnahme einer bestimmten Sendung bringen. Das ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn ein Hörspiel digital "on air" geht.
Hinter dem Phonostar Player steht eine Redaktion, die interessante Online-Radiosendungen empfiehlt
Klänge komprimieren
Soll Musik auf die Festplatte kommen, ist die Speicherung als Wave-Datei die schlechteste Lösung, da der Speicherbedarf recht hoch ausfällt. Formate wie Ogg Vorbis oder MP3 bringen - je nach Qualitätsstufe - rund 8-12 mal mehr Musik auf demselben Speicherplatz unter. Während die dazu notwendigen Programmbibliotheken bei Ogg Vorbis frei erhältlich sind, muss ein Programmautor, der MP3-Technik mitliefert, Lizenzgebühren zahlen. Wandert das Programm, das MP3s komprimieren kann, nicht über den Ladentisch, sondern wird als Freeware online angeboten, wäre der Programmierer schnell arm, weshalb die Unterstützung für MP3s nie direkt in nichtkommerziellen Tools enthalten ist. Es gibt mit den beiden Encodern Lame und BladeEnc aber zwei separat erhältliche freie MP3-Kodierbibliotheken, mit denen alle Audioprogramme zusammenarbeiten können. Anscheinend haben diese Bibliotheken rechtlich einen anderen Status, da sie nicht zusammen mit einer Anwendung, sondern nur alleine vertrieben werden.
Eine Suche in Google & Co nach einer dieser beiden Bibliotheken sollte schnell zur Download-Quelle führen. Die Installation beschränkt sich darauf, die im Download enthaltene Datei lame_enc.dll (bzw. blade_enc.dll) in das Verzeichnis des gewünschten Programms zu kopieren. Manche der Audio-Tools erkennen die Kodier-Grundlage dann automatisch, andere erfordern noch eine Aktivierung der jeweiligen MP3-Bibliothek in den Programmeinstellungen.
Übrigens ist Ogg Vorbis dem Konkurrenzformat MP3 überlegen, da es dieselbe Qualitätsstufe bei einer geringeren Bitrate erreicht, und damit sparsamer mit dem Speicherplatz umgeht. Nur beherrschen nicht alle Player dieses Format. Mit MP3 liegt man dagegen immer richtig.
Ripping-Programme in der Übersicht
Diese Freeware kann einiges mehr als nur Audioströme auf Festplatte bannen. Der größte Vorteil gegenüber anderen Tools ist die redaktionelle Aufbereitung von Informationen über Sender und sogar einzelne Sendungen. So bekommt der potentielle Zuhörer mitgeteilt, wann ein interessantes Hörspiel gesendet wird oder ein seltener Live-Mitschnitt einer bestimmten Rockband. Ärgerlich, aber konzeptbedingt ist die fehlende Funktion, den Mitschnitt gleich in korrekt betitelte Dateien aufzusplitten. Denn diese dazu nötige Information kann das Programm aus den Streams nicht extrahieren. Außerdem schade das direkte und daher hochwertigere Grabben von MP3-Strömen ist nicht vorgesehen.
Schon in der kostenlosen Freeware-Ausgabe kann dieses Tool mehrere Streams zur gleichen Zeit aufnehmen. In der Vollversion lässt es den Download von bis zu 600 simultanen Streams zu - sofern die Internet-Verbindung da noch mitspielt. Station Ripper grabbt nur Shoutcast-kompatible Audioströme im Format MP3. Die Daten werden also ohne Umwandlung direkt auf Platte gebannt - dafür bleiben aber die Formate WMA und Real Audio außen vor. Das ist schade, denn gerade viele öffentliche Radiostationen senden mit dieser Technik ihr Programm digital übers Internet aus. Dafür ist die Suche nach interessanten neuen Stationen gut gelöst: Der integrierte Mini-Browser zeigt nicht nur die Stationsempfehlungen der Programm-Homepage, sondern ermöglicht auch Empfehlungen von Hörer zu Hörer. Als einziges Programm kann Station Ripper mit Podcasts umgehen und fügt auf Wunsch fertig gestellte Dateien automatisch der Bibliothek von iTunes hinzu.
ClipInc unterstützt den Austausch von Schnittinformationen zwischen allen aktiven Anwendern.
Als kostenloses Produkt der Firma Tobit macht ClipInc eine gute Figur. Es unterstützt die Aufzeichnung des Radio- oder Musikfernsehprogramms. Via Internet werden hier Schnittmarken mit Titelinformationen ausgetauscht. Besonders hervorzuheben ist die einfache Bedienbarkeit und die nahtlose Integration in Windows als Systemdienst. Das Programm kommt mit wenigen Knöpfen aus und verfügt über eine wirklich professionell wirkende Oberfläche. Praktisch ist der AutoGrab-Modus, der die Aufzeichnung auf bestimmte Kategorien von Musik oder Sprache einschränkt.
Bis vorkurzem noch war die Benutzung dieses Programms kostenlos. Anfang 2005 aber wurde die Bereitstellung der Titelinformationen zu einem Abonnement, das quartalsweise oder jährlich bestellt werden kann. Dafür bekommt man im Prinzip auch keine bessere Software geliefert, als beim kostenlosen Konkurrenten ClipInc. Air2Mp3 ist eher durch ein verspieltes Interface ein wenig schwieriger zu bedienen. Der einzige echte Vorteil: Das Tool unterstützt deutlich mehr Radiosender als sein Konkurrent, der nur etwas mehr als 20 Sender im Repertoire hat.
Übersicht
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Hinweis
Tipps zum Konvertieren von Schallplatten ins MP3-Format
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Grundlagen zur Audioverbindung von PC und Hifi-Anlage

Note:
3.67