Kurztest: Turbolinux Server 6.0.4
Eine neue Linux-Distribution kommt nach Deutschland. Die enthaltene Software soll sie für den Servereinsatz prädestinieren.
Linux ist frei, aber die Zusammenstellung der verschiedenen Bestandteile zu einer Distribution, also einer homogenen und daher einfach installierbaren Ausgabe, kostet in der Regel knapp 100 Mark. So ist man es gewöhnt, von wenigen Ausreißern abgesehen, das Niedrigpreissegment von unter 30 Mark beackern.
Nun kommt mit Turbolinux eine in Asien und den USA sehr erfolgreiche Distribution nach Deutschland, die in der Server-Version rund fünf mal so teuer ist, wie Suse, Redhat und Co. Die eingedeutschte Linux-Ausgabe ist dabei nur ein Mitglied einer ganzen Betriebssystem-Familie, die beispielsweise auch eine Client-Version (unter 100 Mark) und ein Clustering-fähiges Linux umfasst.
Wer bereits andere aktuelle Distributionen installiert hat, wird hier vielleicht ein wenig enttäuscht sein: Es gibt keine grafische Installation. Ein echter Nachteil ist das aber nicht. Tatsächlich erinner der Installationsvorgang im Textmodus ein wenig an die Prozedur mit früheren Redhat-Versionen. Auch die Filestruktur ist übrigens fast identisch mit der von Redhat.
Ärgerlich, dass Turbolinux auf zwei Systemen gleich beim Installieren bockte. Ein Compaq Presario (PIII-500) machte zwar die ganze Prozedur brav mit, verfiel nach dem ersten Neustart aber wieder in den alten Windows-Tritt, statt beim Booten eine Betriebssystem-Auswahl zu bringen. Ein zweiter Installationsversuch, wo als Ziel für den LILO-Startmanager eine Diskette zur Verwendung kam, versagte ebenfalls. Die nähere Untersuchung der bei der Installation erzeugten Meldungen brachte dann auch tatsächlich einige Warnungen im Umfeld der LILO-Software zutage, führte aber zu keinem Lösungsansatz.
Auf einem Notebook klappte dagegen alles hervorragend - zumindest bis zum Aufruf des textbasierten Teils zur X-Konfiguration. Innerhalb dieses Tools war plötzlich die Tastatur wirkungslos und nur ein harter Reset brachte den Computer wieder ins Leben zurück. Tatsächlich war allerdings lediglich ein minder schweres Malheur schuld: Der Notebook wurde von der Software offensichtlich zur Verwendung des externen Tastaturports gezwungen. Sobald dort ein Keyboard eingesteckt war, lief auf diesem System alles problemlos.
Zur Konfiguration des Systems verwendet Turbolinux nicht ein einziges Programm, wie etwa Suse, sondern eine Handvoll kleiner Tools. Deren Einfluß reicht oft weiter als bei der Konkurrenz. So kann man damit auch den Apache Webserver und den FTP-Server ProFTPD verwalten, ohne selbst in Konfigurations-Dateien eintauchen zu müssen.
Nach der erfolgreichen Installation fragt man sich, wo denn nun der Mehrwert steckt, den man sich mit den 400 Mark Preisaufschlag erkauft hat. Die Packung listet zur Beantwortung dieser Frage eine große Liste an sinnvoller Software auf, die aber in den meisten anderen Linuxen genauso enthalten ist, da frei verfügbar. Als kommerzielle Vollversion erhält man dagegen das Backup-Programm BRU, ein ordentliches Sicherungs-Programm für Bandlaufwerke. Unverständlicherweise erläutert das Handbuch lediglich die Verwendung des Programms von der Kommandozeile aus. Die mitinstallierte graphische Version für X-Windows, mit der man sich viel leichter tut, fällt völlig unter den Tisch - schade!.
Bei der zweiten enthaltenen "Löhnware" handelt es sich um Enlighten DSM, ein Tool zur Überwachung der Systemfunktionen von einem oder auch mehreren Rechnern, das auch im gemischten Umgebungen, wie mit Windows NT und Unix-Derivaten funktioniert.
Bis auf die beiden genannten Programme bleibt die Frage nach der Preiswürdigkeit aber unbeantwortet. Zwar wirbt die Packung beispielsweise auch mit dem Einsatz als Firewall, aber weder Manual noch Online-Hilfe listen zu diesem Stichwort etwas auf. Dabei ist durchaus eine Software enthalten, die Firewalling ermöglicht. Die bekommt man aber mit jeder anderen Distribution auch.
Fazit:
Der Griff zu einer der bei uns bereits verbreiteten Distributionen wie Suse oder Redhat ist immer noch die bessere Wahl. Sie sind günstiger zu haben und bei Software, die man sich aus externen Quellen sind weniger Probleme zu erwarten, weil die Entwickler auf diese Versionen auf jeden Fall Rücksicht nehmen werden.
Plus:
- Weitreichendere Konfiguration mit dem beiliegenden Tools, als mit den meisten anderen Distributionen
- Kommerzielle Software enthalten
- kompakte Grundinstallation
- 30 Tage kostenloser Support
Minus:
- Leistung rechtfertigt Preis kaum
- Installationsprobleme
- Handbuch geht zuwenig auf die besonderen Features der Distribution ein
Vertrieb:
LinuxLand International
www.linuxland.de
Tel (089) 9934140
Preis:
499 Mark
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Hinweis

Note:
3.00