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Die Zukunft der Webseiten-Entwicklung

Noch vor zehn Jahren wurden WWW-Seiten mit einfachen Texteditoren entwickelt und man freute sich schon wie ein Schneekönig, wenn am Browser auch nur ansatzweise ein Layout wie bei Druckerzeugnissen zu realisieren war. Die Möglichkeiten aber auch die Ansprüche haben sich seitdem stark verändert. Seien Sie auf die kommenden Umwälzungen vorbereitet und setzen heute schon auf die richtige Technik.

Erschienen im CHIP-Sonderheft "Web-Design professionell 5/2004"

Seit der Entwicklung des ersten HTML-Browser durch Tim Berners-Lee vor nun fast 15 Jahren bis heute hat das Webdesign große Umwälzungen erfahren, die immer auch die Intentionen widerspiegeln, die man mit dem Web verbunden hat. Überwog zu Beginn noch die reine Freude, weltweit publizieren zu können, kam schnell der Wunsch nach Individualität und Professionalität im Design auf. Und nicht zuletzt sollten Webseiten auch noch einfach wartbar sein und möglichst Interaktion mit ihren Benutzern erlauben. Entsprechend wurde HTML in immer neuen Versionen aufgelegt und durch anderen Konzepte flankiert, wie CSS und XML oder Skiptsprachen im Browser und auf der Seite der Webserver.

Von den Möglichkeiten her bietet dieser heutige Stand dieser Techniken viel. Die Heterogenität aber, die sich dabei eingestellt hat, erschwert jedem Entwickler aber die Arbeit, vor allem, wenn er die wechselvolle Geschichte der Standard nicht selbst miterlebt hat sondern frisch dazu kommt und sich erst mit der ganzen Thematik auseinandersetzen muss.

Für die Zukunft gerüstet ist auf jeden Fall jeder, der die Schlüsseltechniken CSS und XML beherrscht, die in diesem Heft ja ausführlich vorgestellt werden.

Auch dürfte XHTML in naher Zukunft zum notwendigen Repertoire dazugehören. Denn diese Variante von HTML bietet zwar funktional keine Neuerungen, hat dafür aber klare Syntaxregeln. Denn die großzügige Auslegung von HTML-Code durch die heute üblichen Browser, erlaubt zwar schludriges Arbeiten, bringt aber viele Nachteile im Bezug auf die Verwendung von HTML-Seiten. So ist es nur mit klarer Syntax einfach möglich, Webseiten auf anderen Geräten wie PDAs oder Mobiltelefonen anzeigen zu lassen.

Weitere extreme Änderungen, die sich auf den Browser auswirken, wie in der Vergangenheit geschehen, werden wohl nicht mehr kommen. Die Cascading Style Sheets (CSS) werden vielleicht noch elegantere Möglichkeiten bieten und XML rückt sicher noch mehr in den Mittelpunkt.

Ein Neuanfang ist notwendig

Trotzdem ist es Zeit für einen grundsätzlichen Neuanfang, der alten Ballast über Bord wirft. Weil man aber den Millionen Leuten im Internet nicht vorschreiben kann, ab sofort einen neuen Browser mit einem zu verwenden, der mit einem ganz anderen Konzept funktioniert, muss diese Revolution an anderer Stelle ansetzen, so dass jemand weiterhin mit einem Netscape 3 surfen kann, ohne dass Sie als Entwickler auf diesen Anachronismus Rücksicht nehmen müssen.

Am Beispiel von Microsofts .Net-Konzept sieht man, wohin die Reise gehen könnte und aller Wahrscheinlichkeit auch gehen wird. Das Grundprinzip dabei: Zwischen den Browsern und dem Entwickler wird eine Abstraktionseben eingeschoben. Was so hochtrabend klingt, bedeutet, dass Ihre Programme nicht mehr wie bislang in Skriptsprachen wie ASP oder PHP üblich, HTML-Code als Ausgabe produzieren. Stattdessen setzen Sie Bedienelemente ein, die sich durch Eigenschaften und Methoden steuern und abfragen lassen.

Sie können also theoretisch ohne HTML-Kenntnisse auskommen und programmieren stattdessen eine grafische Oberfläche, in etwa so, wie beim Schreiben von Windows-Programmen mit Visual Basic. Es gibt also zum Beispiel auch Ereignisse, wie das Klicken auf einen Knopf, auf den man in einer entsprechenden Routine reagieren kann.

Die Umsetzung dieser Sicht der Dinge auf HTML-Ausgabe und die Beachtung Browser-spezifischer Feinheiten ist natürlich immer noch notwendig. Nur macht das die Zwischenschicht für Sie, die auf dem Webserver wirkt.

Dabei wird sicher eine fertige Seite auf einem Browser-Oldie anders aussehen, als etwa auf dem aktuellen Internet-Explorer. Die Funktion der Seite wird aber identisch sein.

Zwar ist das Konzept von Microsofts .Net in Hinsicht auf optimale grafische Gestaltbarkeit sicher noch verbesserungsbedürftig, weil viel mehr Augenmerk auf die interaktiven Eingabeelemente gelegt wurde, doch das wird sicher kommen.

Den völligen Verzicht auf HTML muss so ein System im Übrigen nicht bedeuten. Bei .Net etwa können Sie trotz der Arbeit mit dem abstrakten Modell immer noch selbst HTML-Code beisteuern. Auch ist für spezielle Anforderungen die Erzeugung individueller Bedienelemente (Controls) vorgesehen.

Keine Angst vor Mono-Kultur

So umfassend und durchdacht der Ansatz von Microsoft bei den .Net-Sprachen auch ist, haben sicher viele Entwickler ein schlechtes Gefühl dabei, sich durch eine volle Konzentration auf diese verführerische neue Welt völlig von einem Hersteller abhängig zu machen.

Doch es sieht nur auf den ersten Blick so aus. Denn pfiffige Open Source-Entwickler, unterstützt durch den Software-Hersteller Ximian, haben ein Projekt auf die Beine gestellt, das genau diesem Problem entgegenwirkt. Sie haben einen Großteil der .Net-Welt auf andere Betriebssystem-Plattformen portiert, wie etwa auf Linux oder den Mac. So läuft beispielsweise der Webshop ###, den Microsoft als Beispielanwendung für .Net entwickelt hat problemlos auf diesen Betriebssystemen.

Der Vorteil für Entwickler: Die Beschäftigung mit der schönen neuen .Net-Welt engt das Beschäftigungsfeld nicht automatisch auf Betriebssysteme aus Redmond ein.

Informationen über Mono gibt es auf der Website http://www.go-mono.org. Neben den zu kompilierenden Quellcode-Archiven gibt es dort auch fertige Pakete in Binärform, die man nur noch installieren muss.

Ausblick

Die Folge für Sie als Entwickler ist, dass Sie sich mit .Net aus Programmierersicht beschäftigen sollten. Es ist kostenlos downloadbar oder Sie haben es vielleicht schon. Denn es steckt als fester Bestandteilen in allen neuen Betriebssystemen von Microsoft.

Vielleicht werden Sie niemals eine ernsthafte Webanwendung in einer .Net-Sprache schreiben. Doch das Grundkonzept wird auf jeden Fall in allen kommenden Webtechniken mehr oder weniger stark ausgeprägt enthalten sein. Seien Sie gerüstet.


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