Abspiel-Software für Universal Plug and Play (UPnP)
Eine neue Gerätegeneration ist auf den Weg in unsere Wohnzimmer. Sie bringt die eigene Bildersammlung, Musik und Filme von der Festplatte auf den Fernseher oder die HiFi-Anlage. Dank eines herstellerübergreifenden Standards klappt das herstellerübergreifend mit einer ganzen Reihe von Serveranwendungen.
Wenn es um die ideale Konfiguration für einen Multimedia-Haushalt geht, sind Streaming-Clients eine interessante Alternative zum Wohnzimmer-PC. Sie fügen Sie sich besser in die vorhandene Hifi-Landschaft ein, machen keinen Lärm und konsumieren auch noch weniger Strom. Die einzige, konzeptbedingte Voraussetzung ist ein Server im Netzwerk, der die Mediendaten vorhält. Der darf dann in einer Abstellkammer oder dem Keller stehen, wo er nicht stört.
Auf diesem Server muss fast alle aktuellen Streaming Clients eine ganz spezielle Server-Anwendung laufen, die mit dem Client harmoniert. Gegenüber den von ganz wenige Geräten verwendeten Kommunikation über einfache Netzwerk-Freigaben bietet eine solche spezielle Anwendung einige Optimierungsmöglichkeiten. Sollen etwa alle Musiktitel eines bestimmten Genres auf dem Streaming Client angezeigt werden, muss der beim Einsatz einer intelligenten Gegenstelle auf dem Server nur einen Befehl geben wie, "Liefere mir alle Hardrock-Titel". Mit der Freigabelogik dagegen muss der Client alle Songs abrufen, deren Genre auslesen und die Anzeige entsprechend der Genre-Vorgabe gefiltert ausgeben.
Die Verwendung einer Server-Anwendung bietet also einige Leistungsvorteile, hat bei vielen Geräten allerdings den Haken, dass Hardware nur mit der mitgelieferten Anwendung funktioniert. Gibt es die Anwendung also zum Beispiel nur für Windows, haben alle das Nachsehen, die den Server lieber unter Linux betreiben möchten.
Im Zuge der Vernetzungskonzepts UPnP kam eine Lösung für dieses Problem. Denn der Standard UPnP sieht insbesondere das Zusammenspiel von Audio- und Video-Endgeräten mit Medienservern vor. So funktioniert eine UPnP-fähige Hardware mit jeder Server-Anwendung, die den Standard unterstützt.
Dabei ist die Software nicht einfach nur ein "dummer" Datenlieferant. Sie entscheidet zum Beispiel, in welcher Form sich die eigene Mediensammlung am jeweiligen Endgerät präsentiert, also beispielsweise, welche Menüstruktur angezeigt wird. Erst wenn sich der Benutzer für eine bestimmte Datei oder Sammlung von Dateien entschieden hat, tritt der Server in den Hintergrund und dient nur noch zum Übertragen der ausgewählten Filme oder Songs.
UPnP-Serverprogramme kurz vorgestellt
Philips Media Manager
Der Philips Media Manager (PMM) wird mit den Geräten der Streamium-Serie ausgeliefert und ist ansonsten nicht erhältlich. Er bietet vor allem eine aufgeräumte und freundliche Oberfläche, in der man sich schnell zurechtfindet. Im geringen Umfang kann man auch Verwaltungsaufgaben mit PMM durchführen, die über die Notwendigkeiten von UPnP hinausgehen: So erlaubt das Kontextmenü eines Musiktitels die Einsicht und Manipulation aller ID3-Tag-Informationen.
Klar spielt er optimal mit den Philips-Clients zusammen und unterstützt beispielsweise Features wie die schnelle Suche in Titellisten über die Buchstabenbelegung der Zehnertastatur einer Fernbedienung. Dies kann beispielsweise der Server von Twonkyvision erst in der kommenden Version.
Ganz praktisch kann die außergewöhnliche Option des Servers sein, die Inhalte rein über ihre Ordnerhierarchie zugänglich zu machen. Die anderen Server unterschlagen diese interne Struktur und bauen stattdessen aus den durch die ID3-Tags vorgegebenen Informationen wie Albumtitel oder Interpret eine eigene virtuelle Struktur auf. Die gibt es beim PMM natürlich auch, aber am Ende der obersten Hierarche findet man hier eben noch den Menüpunkt "Media Folders", der die physikalische Ablagestruktur eröffnet.
Twonkyvision Media Server
Bei dem Medienserver von Twonkyvision handelt es sich um ein Ergebnis aus deutscher Forschung. Denn das Fraunhofer Institut, wo auch das MP3-Format entwickelt wurde, hat die Zukunft der Hausvernetzung untersucht und für die Vermarktung der daraus entstandenen Anwendungen die Firma Twonkyvision gegründet.
Der Twonkyvision Media Server hebt sich in vielen Punkten von der Konkurrenz ab. Am augenfälligsten ist der Verzicht auf eine coole grafische Oberfläche: Das Programm läuft im reinen Textmodus ab und wird lediglich über Kommandozeilenparameter oder ein integriertes Webinterface gesteuert. Der Vorteil des Verzichts auf eine GUI: Es läuft auf Windows, Macs und unter Linux. Der Server wird sogar in einer Version für NAS-Geräte, wie etwa dem NSLU2 von Linksys geliefert. Ein NAS stellt unkompliziert den Inhalt einer externen Festplatte dem ganzen Netzwerk zur Verfügung. In Verbindung mit dem Medienserver ist das besonders interessant. Denn während eine herkömmliche Konfiguration als Gegenstück zum Streaming Client immer einen vollwertigen Computer als Server erfordert, genügt so ein unauffälliges Gerät plus angeschlossener Festplatte als Medienserver. Das braucht kaum Stellfläche und vor allem viel weniger Strom als ein PC, dessen Stromhunger kaum unter 100 W Leistungsaufnahme zu drücken ist.
Twonkyvisions Server ist zwar klein und schnell, hat aber einen prinzipbedingten Nachteil. Er kommt ohne dauerhaft gespeicherte Datenbank aus, in denen die Medieninformationen gespeichert werden. Darum muss es bei jedem Start alle Audio- und Videodateien einscannen, was bei einer großen Bibliothek schon Minuten dauern kann. Der Client kann darum nicht sofort nach dem Einschalten auf den Server zugreifen.
Die aktuelle Beta-Version der kommenden Version 2.5 zeigt, dass die Entwickler dies auch schon als Schwachstelle lokalisiert haben. Die Mediendatenbank ist nun persistent, muss also nicht jeweils neu aufgebaut werden. Ein weiterer Vorteil der nächsten Ausgabe: Die Software eliminiert beim einlesen von Alben und Titeln Artikel wie " "the", "der", "die" oder "das", um eine bessere Einsortierung zu erreichen. Auch neu ist die Beschränkung von Verzeichnisbäumen auf bestimmte Medientypen. Damit kann man beispielsweise verhindern, dass Albencover aus dem MP3-Verzeichnisbaum plötzlich inmitten der eigenen Digitalfotos auftauchen. Weiß der Server, dass ein bestimmter Baum nur Musik enthält, übergeht er alle anderen Dateitypen. Die Twonkyvision-Variante, die nur Musik streamen kann, ist kostenlos zu haben. Die Vollversion des Medienservers kostet 15 Dollar.
Nero Media Home
Der UPnP-Server von Ahead geht bei der Vielzahl der in Nero Burning ROM enthaltenen Applikationen fürs Brennen und die Umwandlung von Video-Dateien fast unter. Aus dem Video-Bereich kommt auch im Vergleich zu anderen UPnP-Servern einzigartige Option, Mediendateien automatisch beim Zugriff durch den Client umzukodieren. Das ist dann notwendig, wenn der Streaming Client ein bestimmtes Dateiformat nicht abspielen kann. So gut gemeint diese Möglichkeit auch ist: Wer sich ein bestimmtes Gerät daheim hinstellt, wird entweder die Medien in einem passenden Format ablegen oder vorliegende Dateien in einem nicht unterstützte Format einmalig umwandeln. Die rechenintensive Transkodierung bei jedem Zugriff ist im Regelfall eine Verschwendung von CPU-Power. Nur in bestimmten Einsatzgebieten mag dies wirklich einen Vorteil bringen.
Fast schon unübersichtlich sind die Optionen zum Navigieren in den Musikstücken. Neben den üblichen Einstiegspunkten gibt es auch noch die Kombinationen "Genre/Album", "Jahr/Künstler" und "Jahr/Album", so dass die oberste Ebene fast 10 Optionen aufweist.
Musicmatch Jukebox
Jukebox von Musicmatch gibt es schon recht lange - aktuell wird die Version 10 ausgeliefert, die erstmals über UPnP-Fähigkeiten verfügt - allerdings noch nicht in Deutsch verfügbar ist. Die Erweiterung des Programms um das UPnP-Feature ist ziemlich logisch, denn seit jeher schon ist Musicmatch Jukebox ein wertvolles Tool zur Pflege und Nutzung der eigenen digitalen Plattensammlung. So beherrscht es beispielsweise die Manipulation der in MP3s enthaltenen ID3-Tags, die Titel, Genre und Album aufnehmen. Diese Informationen ziehen jede Musiksoftware zu Rate, etwa zur Titelanzeige beim Abspielen.
Die Herkunft aus der Welt der Musik schräkt auch das Einsatzgebiet des Programms ein: Jukebox kann nur mit Audio-Files umgehen. Weder Video- noch Foto-Dateien werden verwaltet. Der wirklich multimediale Einsatz ist damit unmöglich. Dafür bietet das Programm Zugangswege zu Songs, die über das Normale hinausgehen. So bietet es neben den üblichen Wegen über Künstler oder Albumtitel auch den Suchpfad Genre->Künstler->Album, der bei den meisten anderen Medienservern unverständlicherweise fehlt.
Das Programm ist kostenlos zu haben, lediglich die erweiterte Version "Jukebox Plus" mit Features wie dem Ausdrucken von Labels oder der einfache Übernahme von Lieder auf Schallplatte und Musikkassette kostet 20 Dollar.
Microsoft Windows Media Connect
Eine Besonderheit unterscheidet Microsofts kostenlosen Medienserver von der Konkurrenz. Getreu dem neuen Öffentlichkeitsbild von Microsoft, das der Sicherheit oberste Priorität einräumt, darf erst mal kein Client auf die Mediensammlung zugreifen. Zuerst muss eine einmalige Freigabe jedes Clients stattfinden. Die findet das Programm automatisch und bietet sie zur Freischaltung an.
Der Zugriffsschutz ist aber noch feiner möglich: Sie können festlegen, dass der Inhalt bestimmter Verzeichnisse nur ausgewählten Client-Stationen zugänglich sein soll. Haben Sie neben dem Streaming-Client im Wohnzimmer auch noch einen im Kinderzimmer stehen, legen Sie einfach fest, dass dort nur Filme aus dem Verzeichnis abgespielt werden dürfen, das für kindertaugliches Material enthält. Da für Videos keine Altersfreigabe im Dateiformat steckt ,ist leider prinzipbedingt kein eleganterer Weg als der auf Verzeichnisebene möglich. Eine weitere interessante Option ist die Wahl, das Angebot bestimmter Verzeichnisse von der Useranmeldung abhängig zu machen. So kann man einen Ordner mit ungefährlichem Material ständig verfügbar machen und andere Verzeichnisse nur, wenn man selbst eingeloggt ist.
Weitere Informationen zum Thema
Ein Client der anderen Art
Wer seine digitale Mediensammlung konsequent einsetzt, merkt schnell, dass sie nur im gepflegten Zustand gut zu gebrauchen ist. Hat man dann viel Liebe investiert, um die Songs und Videos in der Datenbank des jeweiligen UPnP-Server zu ordnen, macht es auch Sinn, vor dem PC auf direkt darauf zuzugreifen, anstatt nur auf die reinen Netzwerkfreigaben, die die Dateien enthalten. Dazu gibt es UPnP-fähige Software-Player.
Seit der 6er Version der Nero Burning ROM Vollversion wird beispielsweise das Programm "Showtime" ausgeliefert. Das kann nicht nur Medien von Festplatte, CD und DVD spielen, sondern beherrscht auch UPnP. Somit bekommt man am PC denselben Zugang auf die Mediendaten, wie auf einem UPnP-fähigen Streaming Client. Und das eben nicht nur auf den Inhalt bezogen, sondern auch auf die Art der Präsentation. Das macht den Konsum von Musik neben der Arbeit am PC besonders einfach, weil die Logik gleich der auf den anderen Geräten ist.
UPnP näher betrachtet
Bevor es Plug & Play Steckkarten für PCs gab, war der Einbau einer neuen ISDN-Karte oder eines Netzwerkadapters immer mit der Notwendigkeit zur manuellen Konfiguration verbunden. Erst die PnP-Technik brachte die automatische Belegung freier Ressourcen mit, die einige Arbeit spart.
Nicht umsonst knüpft die Namensgebung von UPnP daran an. Das Ziel ist hier die problemlose Zusammenarbeit von Computern und autarken Geräten im Netzwerk. Obwohl der Standard von Microsoft vorangetrieben wurde, haftet ihm wenig Propriertäres an: Es werden nur transparente und offengelegte Techniken wie XML, HTTP oder SOAP verwendet und das Konzept setzt keine bestimmte Hardware oder Software als Betriebssystem voraus.
Die Vision hinter UPnP ist, dass sich innerhalb eines Netzwerks passende Geräte automatisch finden, also ohne Konfigurationsaufwand oder sonstiges Zutun des Anwenders. Zur Kommunikation reicht dabei ein einfaches TCP/IP-fähiges Netzwerk aus, es darf also ein normales Ethernet per Kabel, ein PowerLAN über Strominstallation, ein funkgestütztes WLAN, Bluetooth oder sogar eine Firewire-Verbindung sein. Ein wichtiges Konzept dabei ist die Peer-to-Peer-Kommunikation. Es gibt also keinen zentralen Server, der alle anderen Geräte managt, sondern jedes Gerät darf sich mit einem anderen nach Belieben unterhalten.
Beim Teilbereich UPnP A/V, bei dem es um die Übertragung von Medien geht, sendet ein Client an den erkannten Server eine HTTP-Anfrage, um das Hauptverzeichnis zu erhalten, ganz ähnlich wie ein Browser mit einem Webserver kommuniziert. Die Antwort, die aus Titellisten oder logischen Gruppierungen besteht, wir dabei aber nicht im Format HTML, sondern per XML zurückgeliefert. In welcher das der Client dann am Bildschirm präsentiert ist also seine Sache, da XML keinerlei Formatierungen enthält.
Wählt der Anwender ein bestimmtes Musikstück oder einen Film aus, dann schickt der Client wieder eine Anfrage in der Form einer URL an den Server, der dann als Antwort den Inhalt der jeweiligen Mediendatei als beständigen Stream sendet und das Vergnügen kann beginnen.
Tipps, wenn UPnP nicht funktioniert
Wenn der Streaming Client den Server partout nicht sehen mag, dann ist der häufigste Grund eine Firewall, die die Kommunikation zwischen beiden Partnern unterbindet.
Setzten Sie Windows XP mit dem SP2 ein, dann öffnen Sie die dazu notwendigen Datenkanäle so:
In "Systemsteuerung/Windows-Firewall" muss der Tab "Ausnahmen" angewählt werden.
Der Knopf "Programm" öffnet den Dialog "Programm hinzufügen". Dort muss mittels "Durchsuchen" die installierte UPnP-Serveranwendung lokalisiert werden.
Beim Einsatz einer anderen Firewall-Software, die nur Ausnahmen auf Port-Ebene zulässt, sollten die Ports 1900 sowie 49152 bis 49154 geöffnet werden.
Links zum Thema UPnP
www.upnp.org Homepage des UPnP-Standards
www.upnp-ic.org Vereinigung der Firmen, die UPnP einsetzen, Liste nützlicher Software-Tools
upnp.sourceforge.net/ Open Source SDK UPnP erlaubt die einfache Erzeugung von UPnP-Anwendungen auf Linux.
www.intel.com/technology/upnp/ Intels UPnP Homepage mit vielen Tools für Entwickler und zur Diagnose von UPnP-Gerätetn
Bedingungen für die Kommentareingabe
Hinweis

Note:
3.10